Griehv
„Er ist hässlich dass es graut, wenn er in den Himmel schaut,
dann fürchtet sich das Licht, scheint ihm von unten ins Gesicht.“


Ein staubiger, dunkelgrauer alter Anzug über einer dazugehörigen Weste, ein weißes Kragenhemd, abgenutzte löchrige Herrenschuhe. Das Kleidungsbild wirkte sicher mal höchst elegant wenn es nicht mittlerweile diesen gewissen Touch von Motten und Moder bekommen hätte. Das Gesicht wirkt leicht faltig, die Augenhöhlen eingefallen, ein dichter Walroß-Schnauzbart umzieht die schmalen Lippen und zieht sich bis über das Kinn hinweg ehe er darunter wieder zusammenläuft. Das halblange graumelierte Haar ist sorgsam zurückgekämmt und findet halt hinter den knorpeligen Ohren. Unter den dunklen Augenbrauen verbirgt sich ein wachsamer aber ausdrucksloser Blick.

Der Mann scheint um Höflichkeit und die richtige Wortwahl bemüht, auch wenn er grundsätzlich etwas schweigsam scheint und auch irgendwie seltsam wirkt. So seltsam wie dieser eine Junge der in der Schule immer alleine in der Ecke saß und dessen Versuche witzig zu wirken ständig für peinliches Schweigen sorgten. Der, den beim Wählen der Sportmannschaften keiner im Team haben wollte. Der Kerl, neben dem man in der U-Bahn nie sitzen möchte, der den man seiner aufdringlichen Blicke beschuldigt obwohl er einen gerade das erste mal ansieht.

Generell fehlt es ihm etwas an emotionalem Ausdruck, dafür nicht an fast schon gespielt wirkender Freundlichkeit. Seine Blicke wandern oft teilnahmslos und gedankenversunken durch den Raum. In der Öffentlichkeit sieht man ihn nur verhältnismäßig selten. Und irgendwie sind die meisten die seiner Anwesenheit bereits teil werden durften auch froh über diesen Umstand.

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Chronik: Leipzig bei Nacht