Hejdwig
Denn es sind, wie man sagt, zwei Pforten der nichtigen Träume:
Eine von Elfenbein, die andre von Horne gebauet.
Welche nun aus der Pforte von Elfenbeine herausgehn,
Diese täuschen den Geist durch lügenhafte Verkündung;
Andere, die aus der Pforte von glattem Horne hervorgehn,
Deuten Wirklichkeit an, wenn sie den Menschen erscheinen.





Und so trug es sich zu, dass Samsara, der jüngste Wächter der Pforten, eine Nachfolge heranziehen musste.

Hier bin ich.

Ich bin Hejdwig. Gelitten unter Boris und Malekda, gestorben am 7. Tage meiner Gefangenschaft in eisigem Gemäuer. Unehrenhaft entlassen meines Dienstes am Herrn der Heiligen. Nicht beachtet meiner Treue, der Opfer für den Kirchherrn.
Und doch aufgenommen in die Unendlichkeit des Tatari Noa, des ewig Wartenden.

Dies ist der Ort, von dem niemand erzählt, wenn er wieder in die Wirklichkeit zurückkehrt. Egal, ob du schläfst, in der Nacht oder am Nachmittag. Egal, ob du bewusstlos geschlagen wurdest oder dein Körper an Schwäche leidet, dies ist der Ort, der deine Seele hütet.
Neuerdings wird auch von Ärzten und Operationen geredet, von Betäubungen und Koma.
Das ist alles egal. Hier bist du sicher.






Rückblick

Die Nebelfrau hatte ihren Schleier noch nicht gerafft, da der Morgen noch in der Ferne lag. Kein Vogel rührte sich, nur der Wind zog stetig seine Bahnen durch die dürren Äste der von Herbst geschwächten Bäume. Die Natur lag trübe da, vereinzelter Schein von an Fackeln gebändigtem Feuer erhellte zwielichtig irisierend den feuchten, von Laub bedeckten Grund und die Gemäuer der Stadt, die ebenfalls noch im Schlummer lag.
Bis auf einige Wenige. Ein paar Männer, gerüstet und bewaffnet, zogen durch die Straßen. Hin zu der Frau, die in wenigen Stunden wieder in der Kapelle stehen würde. Um die Kranken zu segnen, den Trauernden zu lauschen, ihnen den Schmerz zu nehmen und ihnen Hoffnung zu geben, indem sie gemeinsam gedachten. Derer, die fortgegangen, derer, die gerade gingen.
Es war eine schwere Zeit.
Nicht nur, dass Krankheiten durch die Lande zogen, nein, nun wurden Stimmen laut, was man sich in Eldragoné anmaßte...

Eine Frau!
Eine Frau zu dem Christen, zu diensten dem Pfarrer, dem heiligsten Mann der Stadt! Ein Weib mit strohweißem Haar! Der Teufel mag sie geschickt haben, schaut sie an! Retten uns! Rettet euch! Rettet euch, ihr Narren!

Holz zersplittert

Und selbst wenn der Teufel sie geschickt, einem kant'gen Holz von Oberarmstärke vermag ihr Schädel nicht widerstehen. So wurd' sie gar nicht wach in ihrem Bett, hinausgezerrt aus der Stube, auf die Straße, wo sie ihr Blut verlor. Hinein in den keller, den Kerker, die Gitter verschlossen.

Beobachtende Augen lagen auf dem leblosen Körper, der nun im Kerker lag, an den Hand- und Fußgelenken rostige Ketten, das Nachthemd verdreckt. Vom Haupt rinnt Blut und zeichnet das rechte Auge wie das eines Dämons, wie eine Verleumdung ohne Vergleich.



























Nicht mich hast Du verraten,
Nicht mich hast Du gebrochen,
Mich bringt man nicht ins Grab!
Es war der Traum, der durch Dich starb!

Ich wünsche , oh Heide, dass deine Seele dir zerspringt.