Raugrafen
Morgentauen...

Die Sonne sinkt, die Toten steigen aus... dem Bett. Das Laken wird zurückgeschlagen, geschwind, dass die Luft rauscht. Man hat ja nur Zeit zu verlieren. Zielstrebig begibt man sich ins Badezimmer. Hier wird vor dem Spiegel zuerst das Gesicht betrachtet, nur ein flüchtiger Blick. Alles ist noch dran. Da kann man sich schon sicher sein.

Mittvierziger. Kurzes schwarzes Haar, so einer dieser Allerweltsschnitte, die niemals wirklich aus der Mode kommen. Das Wasser gibt sich hin, plätschert aus dem Hahn. Klatsch. Ins Gesicht damit. Zahnbürste. Pasta aus der Tube. Eine von den mehrfarbigen, die einem ganz viel Gesundheit versprechen. So sieben oder achtmal so viel, wie andere. Man muss sowas nicht ernst nehmen. Tut man das hier? Die Zähne werden geputzt. Gerade sind die, weiß. Braune Augen blicken leicht versonnen durch die drei Minuten in die Gegenwart. Besonders groß ist die nicht. Eher so Einsfünfundsiebzig. Eine dieser rahmenlosen Akademikerbrillen verschanzt sich auf der Nase, wie auf einer Festung. Am Haaransatz findet sich eine Narbe, die sich - wie es bei Wunden von Geschichte üblich ist - irgendwo im Haar verliert.

Leicht verteilt sich der gewohnte Herrenduft, einer von den alten. Rauchig mit nem' Hauch von Zitrus am Hals entlang. Dann: Kleidung. Ein Anzug wie aus dem letzten Jahrhundert, feine Nadelstreifen in traditionellem Schnitt. Weißes Hemd. Krawatte. Die Manschettenknöpfe schließen sich von geübter Hand. Eine Uhr ans Handgelenk. Und schließlich, bevor der Mantel auf die Schultern fällt: Ein Etui aus Silber. Kurz geöffnet und der Inhalt überprüft. Die Karten sind noch da: Aaron von Raugrafen liest man dort in altdeutscher Fraktur. Drunter findet sich, eckig, die Bleistiftschraffur eines Mondes.

Nachtfertig.

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Charakter zum Vt:M Spiel bei Leipzig bei Nacht.
caelum, Donnerstag, 28. Juni 2012, 00:37 Uhr

 

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